Leitidee
Scham ist eine schmerzhafte Emotion, die in jeder Arbeit mit Menschen akut werden kann. Häufig wird sie jedoch übersehen, denn das Bewusstsein für die Scham ist weitgehend verloren gegangen. Sie wird häufig tabuisiert, selbst in Berufsfeldern, in denen täglich viel Scham ausgelöst wird. Zum Beispiel in der Schule und in Einrichtungen der Jugendhilfe, wenn Kinder und Jugendliche sich ihrer Person, Herkunft oder für Fehler schämen.
Dies hat schwerwiegende Auswirkungen, denn unbewusste Schamgefühle können zu (selbst-)destruktiven Verhaltensweisen wie Trotz, Wut, Gewalt, Kontaktabbruch, Depression, Rückzug, Sucht u.a. führen. Daher ist es für alle, die mit Menschen arbeiten, wichtig, Scham zu erkennen und konstruktiv mit ihr umgehen zu können. Denn sie ist zwar schmerzhaft, hat aber auch positive Aufgaben: Scham ist, so Leon Wurmser, „die Wächterin der menschlichen Würde".
Im Seminar werden, aus Sicht von Psychologie, Sozialpsychologie und Gehirnforschung, die grundlegenden Informationen über Scham vermittelt und anhand der Erfahrungen der Teilnehmenden reflektiert.
Daran anknüpfend wird die Bedeutung des Themas für die jeweilige Arbeit mit Menschen und für die Rahmenbedingungen dieser Arbeit aufgezeigt. Ziel der Fortbildung ist es, den Teilnehmenden die grundlegende Bedeutung der Scham zu vermitteln und mit ihnen Möglichkeiten eines konstruktiven, Menschen-würdigenden Umgangs mit dieser, häufig übersehenen oder tabuisierten, Emotion in der individuellen Alltagspraxis zu erarbeiten.
Auf die Praxisrelevanz wird ein besonderes Augenmerk gelegt.
Themenübersicht
- Was ist Scham? Wie zeigt sie sich? Wodurch wird sie ausgelöst? Welches sind ihre Entwicklungs-Impulse? Wie reguliert sie die Würde des Menschen?
- Worin unterscheiden sich Scham und Schuld?
- Welche Bedeutung haben Schamgefühle für die eigene Person, für eine Gruppe und für die soziale, pädagogische bzw. psychologische Arbeit im Kontext der Organisation sowie die Rahmenbedingungen dieser Arbeit?
Lehr- und Lernmethoden
Impulsvorträge, Kleingruppenarbeit, Reflexion von eigenen Erfahrungen
Abschluss
Das BISG erteilt den Teilnehmenden eine erweiterte Teilnahmebescheinigung, die für die Zertifizierung zum/ zur „Trainer:in für Neue Autorität & menschenwürdige Pädagogik“ angerechnet werden kann.
Seminarleitung
Dr. Stephan Marks, Sozialwissenschaftler, Supervisor, Sachbuchautor. Er bildet seit vielen Jahren Berufstätige, die mit Menschen arbeiten, über Menschenwürde und Scham fort, vorwiegend im deutschsprachigen Raum und in Lateinamerika.