Leitidee
An vielen Schulen und in Einrichtungen der Jugendhilfe gibt es Kinder und Jugendliche, die uns durch gewaltbereites Verhalten herausfordern. Sie haben großen Einfluss auf das soziale Klima und können andere Gruppenmitglieder in ihren Bann ziehen. Die verantwortlichen Erziehungspersonen sind mitunter ratlos, wie sie auf diese Verhaltensweisen kompetent reagieren können. Die herkömmlichen Reaktionen und Interventionen wie Strafen und Sanktionen zeigen nicht die erwünschte Wirkung oder führen sogar zu einer Verschlimmerung der Situation. Zudem kommen häufig die Geschädigten zu kurz.Die Wiedergutmachung ist ein wirksames Instrument zur Bearbeitung von einseitig und beidseitig verursachten Konflikten. Ziel ist, die betroffenen Kinder und Jugendlichen so mit den Folgen ihres Verhaltens zu konfrontieren, dass sie emotional berührt werden und Verantwortung für den entstandenen Schaden übernehmen (können). Gleichzeitig soll die Beziehung zum/ zur Schädiger:in in „Wachsamer Sorge“ gestärkt werden. Die damit verbundenen Haltungen und Methoden sind auch außerhalb der Wiedergutmachung vielseitig einsetzbar und erweitern die soziale Handlungs-und Erziehungskompetenz sowie die professionelle Präsenz von Pädagog:innen, die beispielsweise in der Mediation oder Schüler:innenstreitschlichtung tätig sind. Im Seminar werden die grundlegenden Haltungs-und Handlungsaspekte der Wiedergutmachung im Kontext der Schule und Jugendhilfe erarbeitet und anhand der Erfahrungen der Teilnehmenden reflektiert. Der modulare Aufbau des Seminars ermöglicht das Anwenden und Erproben in der individuellen Alltagspraxis. Auf die Praxisrelevanz wird ein besonderes Augenmerk gelegt.
Themenübersicht
- 1. Modul (Einführung) - Strafe und Bestrafung als Mittel der Erziehung? - Zur Wirkungslosigkeit von Strafe, Macht und Ohnmacht in der Erziehung - Gewalt erkennen: Ursachenanalyse und gewaltfreie Handlungsmöglichkeiten
- 2. Modul (Vertiefung) - Erkennen und Bearbeitung von einseitig verursachten Konflikten - Dreieck der Konfliktlösung - Umgang mit Rechtfertigungsstrategien - Leitfaden: „Aspekte der Wiedergutmachung“ - Sensibilisierende und systemische Fragetechniken, die die Konfliktparteien befähigen, ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen und darüber zu sprechen - "Bauen" der Rampe der Einsicht
- 3. Modul (Vertiefung) - Vereinbarkeit von Konfrontation und Wertschätzung - Wiedergutmachungsleistungen Präsenz als Quelle verbindender Autorität und das Konzept der „Wachsamen Sorge“ nach Haim Omer - Haltungs- und Handlungsaspekte in der Leitung des Wiedergutmachungsverfahrens - Konstruktiver Umgang mit Scham und Beschämung - Beziehungs- und Versöhnungsgesten - Programm „Stufen der Verantwortung“ nach Ben Furman - Transferüberlegungen: Implementierung in die Institution
Seminarzeitraum
22.09. bis 18.11.2026
Seminarzeiten
Di: 14.00 bis 18.30 Uhr Mi: 09.00 bis 17.00 Uhr
Seminarort tandem BTL Akademie gGmbH Potsdamer Str. 182 10783 Berlin
Zielgruppe
Trainingsseminar für Lehr-, Fach- und Leitungskräfte in Pädagogik, Soziale Arbeit, Psychologie sowie sonstigen Organisationen
Teilnahmegebühr
750,00 EUR (inkl. Getränke, Obst, Gebäck)