"Im Namen der Ehre" - Junge Muslime und Gewalt

Projektidee und Ziele

Vor dem Hintergrund des so genannten „Ehrenmordes“ an der jungen Türkin Hatun Sürücü 2005 in Berlin entstand in Kooperation mit dem ARD-Magazin „Polylux“ (rbb) eine Kurz-Reportage zum Thema „Im Namen der Ehre“ – Junge Muslime und Gewalt. Im Zentrum des Projektes stand die Frage, ob und inwieweit das an unserer Schule durchgeführte „Konfrontative Sozial-Kompetenz-Training“ (mit interkulturellem und gewaltpräventivem Ansatz) den gewaltbereiten Tendenzen junger Muslime begegnen bzw. vorbeugen kann.

Während der Dreharbeiten standen Trainingseinheiten mit überwiegend muslimischen jungen Männern an der Hans-Böckler-Schule in Berlin-Kreuzberg zu folgenden Themen  im Mittelpunkt der Projektarbeit:

Ergebnisse/Konsequenzen

Die kulturellen Männlichkeitswerte beinhalten für junge Muslime ein hohes Risiko, mit strafrechtlich relevanten Normen in Konflikt zu geraten. Desintegrationserfahrungen verstärken das Bedürfnis der männlichen Migrantenjugendlichen, sich über diesen Normenkomplex zu definieren und sich darin von den deutschen Gleichaltrigen abzugrenzen.
Bezogen auf türkisch- und arabischstämmige Jungen und männliche Jugendliche scheinen die Fachkräfte mit ihrem „pädagogischen Latein“ am Ende zu sein, weil diese sich in Auseinandersetzungen häufig auf die Besonderheit ihrer kulturellen Identität, vor allem auf den Wert der Ehre, berufen. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen Pädagogen/innen verunsichert, hilflos sind und das Gefühl haben, von den Jugendlichen vorgeführt zu werden. Wie also ist auf deviante und auffällige Jugendliche professionell zu reagieren, die sich auf den Wert der Ehre berufen? Jede unüberlegte Aussage kann von einem muslimischen Jugendlichen für den Vorwurf der Ausländerfeindlichkeit genutzt werden. Fingerspitzengefühl, Auseinandersetzung mit den Denkmustern der auffälligen Jugendlichen und der Erwerb von Methoden in der Anwendung der konfrontativen Methodik können hier hilfreich sein.

Wenn Kenntnisse der kognitiven Hypothesen muslimischer Jungen & der Erziehungskonzepte muslimischer Familien erworben werden, können b. s. w. unüberlegte & von stereotypen Vorurteilen geprägte Konfrontationen, die verletzend, kränkend & schließlich kontraproduktiv sind, vermieden werden (z.B. „Alle türkischen, arabischen… Jungen sind gewalttätig“ oder: „Der Islam erlaubt dir nicht zu schlagen“ ...)
Auf die Abwertung der kulturellen Wertvorstellungen reagieren die muslimischen Jugendlichen sehr gereizt und fühlen sich nicht verstanden und ernst genommen („Sie haben was gegen Ausländer!“ „Das tun Sie doch nur, weil Sie ausländerfeindlich sind!“…)
Fakt ist:

 

Warum Interkulturelle (Handlungs-)Kompetenz daher die wichtigste Schlüsselqualifikation für Fachkräfte der Schule, Jugendhilfe und Justiz ist, um mit Kindern & deren Eltern mit Migrationshintergrund präventiv arbeiten zu können, der sollte die spannenden, informativen und realistischen Bücher von Ahmet Toprak lesen:

Das schwache Geschlecht - die türkischen Männer Jungen und Gewalt Ich bin eigentlich nicht aggressiv Wer sein Kind nicht schlägt, hat später das Nachsehen

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