Idee und Ziel des Projektes

Der Berufsschullehrer und AAT-Trainer, Martin Ziegler, der neben seiner Tätigkeit an der Hans-Böckler-Schule seit 19 Jahren auch in der Berufsvorbereitung und –ausbildung in der Jugendstrafanstalt Berlin tätig ist, hatte die Idee, gemeinsam mit seinem Freund, dem international anerkannten israelischen Kunstschmiede-Lehrer, Uri Hofi (Blacksmithing School, Haifa/Israel), einen Freiform-Schmiedekurs für junge Straftäter mit rechtsradikalen und ausländerfeindlichen Hintergrund sowie mit arabischstämmigen Gewalttätern in der Jugendstrafanstalt Berlin durchzuführen.

Im Zentrum des einwöchigen Schmiedekurses (im November 2004) stand nicht nur das Schmieden, sondern das Experiment, statt nur über Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Gewalt zu reden, einfach mit Amboss und Hammer im täglichen Miteinander klarzukommen und somit einen Beitrag zur Förderung der gegenseitigen „Achtung und Toleranz“ zu leisten.

Von dem Erfolg des einwöchigen Kurses konnten sich alle Beteiligten am Ende überzeugen. Durch finanzielle Unterstützung Berliner Betriebe und des Leiters der Jugendstrafanstalt Berlin, Marius Fiedler, wurde speziell für den Kurs ein großes Zelt errichtet, in dem sechs Feldschmieden aufgestellt wurden. Hier konnten die Jugendlichen unter Anleitung des Kunstschmiede-Lehrers Uri Hofi in gemeinsamer Arbeit erstmalig ihre schmiedetechnischen Grundfertigkeiten am Amboss erproben, was ihnen erstaunlich gut gelang. Die Jugendlichen profitierten nicht nur von den außergewöhnlichen Kenntnissen und Fähigkeiten des Kunstschmiede-Lehrers, die sie begeisterten, sondern von der Erfahrung, dass durch die charismatische Persönlichkeit des 70-jährigen Uri Hofi ihnen in beeindruckender Art und Weise demonstriert wurde, dass eine tolerante Lernkultur, die keine Tabus kennt und von Meinungsvielfalt und Offenheit bestimmt ist, die Annäherung extremer Positionen und einen zivilisatorischen Standard der Friedfertigkeit ermöglichen kann.

      

Bei der Abschlussveranstaltung in der Jugendstrafanstalt Berlin berichtete Uri Hofi sachlich und einfühlsam vor den Jugendlichen und MitarbeiterInnen sowie VertreterInnen aus den Bereich Schulen, Jugendhilfe, Industrie und Handwerk, dass über 200 Angehörige seiner Familie während der Nazi-Herrschaft in den Konzentrationslagern umgekommen sind. Seine zentrale Botschaft dabei lautete: Alle Menschen haben das gleiche Recht auf Freiheit. Und: Konflikte können gewaltfrei gelöst werden!


Spannend und realistisch beschrieb Uri Hofi den Anwesenden, wie er seine Leidenschaft zum Kunstschmiedehandwerk entdeckt hat: ... „Das Eisen hat mich verrückt gemacht.“ Die Erfahrungen und Gefühle, die er in der Arbeit mit den Jugendlichen in der Jugendstrafanstalt während dieser Woche gemacht hat, drückte er in beeindruckender Echtheit aus: .... „Es war einer der schönsten Momente meines Lebens“. (Link: mehr über Uri Hofi: www.hofi-uri.com )

In diesem Sinne steht das Projekt ganz im Geist des so genannten Programm „Betzavta“ (Bezavta, hebräisch=Miteinander), das vor dem Hintergrund des Konfliktes zwischen jungen Arabern und Israelis von dem Jerusalemer „Adam Institute for Democracy and Peace“ entwickeltet wurde.

Buchmaterial zum Programm "Bezavta" ist beim Verlag Bertelsmann Stiffung erhältlich.